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Blackjack Versicherung: warum Insurance fast immer verliert

Der Dealer legt ein Ass vor sich hin und fragt in die Runde: ‚Insurance?‘ Die Blackjack Versicherung ist eine eigene kleine Wette darauf, dass seine nächste Karte eine Zehn, ein Bube, eine Dame oder ein König ist. Sie zahlt 2 zu 1, und bei 6 Decks verliert sie auf lange Sicht rund 7 Cent je Euro, den du auf sie setzt.

Stand:

Regel 1 · Wie die Versicherung funktioniert

1.1

Der Auslöser. Die Versicherung gibt es nur, wenn die erste Karte des Dealers ein Ass ist. In 31 der 40 deutschen Spielbanken mit veröffentlichtem Regeltext steht sie ausdrücklich drin, immer mit 2 zu 1, die übrigen neun Texte erwähnen sie nicht. Wann der Dealer seine zweite Karte bekommt, steht bei den Regeln für den Dealer. An deinem Tisch entscheidest du, bevor der Dealer seine zweite Karte zieht.

und dann
Ass, dann Zehnerkarte nur in diesem Fall zahlt die Versicherung
1.2

Der Betrag. Die meisten Häuser verlangen genau die Hälfte deines Einsatzes. Die Merkur-Spielbanken in Niedersachsen schreiben: „Hat der Dealer mit seiner ersten Karte ein Ass, kann der Spieler noch einmal die Hälfte seines Einsatzes auf die Versicherungslinie setzen.“ Wiesbaden und Bad Dürkheim erlauben „bis zur Hälfte“, dort darfst du auch weniger versichern.

1.3

Die Auszahlung. Hat der Dealer Blackjack, zahlt die Versicherung 2 zu 1, sonst ist sie verloren. Was du selbst in der Hand hältst, spielt dafür keine Rolle. CASINO SH formuliert es so: Die Versicherung wird „unabhängig von seinem eigenen Kartenwert im Verhältnis 2:1 ausbezahlt“.

1.4

Ein Beispiel. Du setzt 10 € und versicherst mit 5 €. Hat der Dealer Blackjack, verlierst du die 10 € auf deiner Hand und gewinnst 10 € auf der Versicherung, unterm Strich null. Hat er keinen, sind die 5 € weg, und deine Hand wird ganz normal zu Ende gespielt. Daher der Name: Mit einem halben Einsatz gleicht die Versicherung genau den Verlust des Grundeinsatzes aus.

1.5

Keine Absicherung, eine zweite Wette. Der Name führt in die Irre. Du sicherst nicht deine Hand ab, sondern setzt auf eine einzige Karte des Dealers. Diese Wette hat ihre eigene Rechnung, und die fällt schlecht aus.

Regel 2 · Warum die Versicherung auf lange Sicht verliert

2.1

Die Schwelle. Eine Wette, die 2 zu 1 zahlt, ist fair, wenn sie in genau einem von drei Fällen gewinnt: einmal plus 2, zweimal minus 1, zusammen null. Die Versicherung bräuchte demnach genau ein Drittel Zehnerkarten unter den Karten, die der Dealer noch ziehen kann. Mehr als ein Drittel, und sie lohnt sich. Weniger, und sie kostet.

2.2

Der volle Schuh. Sechs Decks haben 312 Karten, davon 96 zehnwertige, 16 pro Deck. Liegt beim Dealer ein Ass, bleiben 311 unbekannte Karten mit 96 Zehnerkarten, das sind 30,9 %, knapp unter einem Drittel. Stell dir 311 Versicherungen zu je 1 € vor, eine für jede mögliche zweite Karte: 96-mal gewinnst du 2 €, zusammen 192 €, 215-mal verlierst du 1 €. Unterm Strich fehlen 23 €, das sind 7,4 Cent je versichertem Euro.

2.3

Deine eigenen Karten. Die Karten in deiner Hand fehlen ebenfalls im Schuh, und das verschiebt die Rechnung. Hältst du zwei Karten ohne Zehnerwert, bleiben alle 96 Zehnerkarten unter 309 unbekannten. Hältst du selbst Zehnerkarten, sind es weniger. Die Tabelle zeigt die Folge.

Versicherung bei 6 Decks, Dealer zeigt ein Ass
Deine HandZehnerkarten unter den unbekannten KartenAnteilErgebnis je Euro Versicherung
unbekannt96 von 31130,9 %−7,4 Cent
zwei Karten ohne Zehnerwert, etwa 9 und 796 von 30931,1 %−6,8 Cent
eine Zehnerkarte, etwa 10 und 695 von 30930,7 %−7,8 Cent
Blackjack, Ass und Zehnerkarte95 von 30930,7 %−7,8 Cent
zwei Zehnerkarten, also 2094 von 30930,4 %−8,7 Cent
2.4

Die bittere Pointe. Je besser deine Hand aussieht, desto teurer wird die Versicherung. Wer eine 20 versichert, um sie zu schützen, zahlt den höchsten Preis in der ganzen Tabelle, weil dem Schuh genau die zwei Zehnerkarten fehlen, die er in der Hand hält.

2.5

Weniger Decks. Mit einem einzigen Deck schwankt der Wert stärker. Zwei Karten ohne Zehnerwert in deiner Hand lassen 16 Zehnerkarten unter 49 unbekannten, das kostet nur noch 2,0 Cent je Euro. Zwei Zehnerkarten lassen 14 unter 49, das kostet 14,3 Cent. Über ein Drittel kommt der Anteil allein mit deinen eigenen Karten auch dort nicht. Bei 8 Decks liegt der Preis mit zwei Karten ohne Zehnerwert bei 7,0 Cent, fast wie bei sechs.

2.6

In unseren Zahlen. Die Hausvorteile auf dieser Website, etwa die in der Übersicht zu Wahrscheinlichkeiten und Hausvorteil, gehen davon aus, dass du nie versicherst. Jede Versicherung, die du trotzdem nimmst, kommt obendrauf.

2.7

Was es am Tisch ausmacht. Ein Ass als erste Dealerkarte kommt bei 6 Decks in 24 von 312 Fällen, also etwa in jeder dreizehnten Runde. Wer dann jedes Mal mit dem halben Einsatz versichert, zahlt im Schnitt 0,28 % seines Grundeinsatzes pro Runde zusätzlich. An einem Tisch mit den deutschen Standard-Tischregeln, also 6 Decks, Dealer steht auf 17, Verdoppeln auf 9 bis 11 und ohne verdeckte Karte, wächst der Hausvorteil damit von 0,61 % auf rund 0,90 %. Die Versicherung allein kostet dich dann fast halb so viel wie das ganze übrige Spiel.

Regel 3 · Even Money ist dieselbe Wette

3.1

Das Angebot. Hast du selbst Blackjack und der Dealer zeigt ein Ass, bieten manche Häuser an, dir den Einsatz sofort 1 zu 1 auszuzahlen, statt 3 zu 2 abzuwarten. Die Spielbank Wiesbaden nennt das in ihren Regeln „Even Money“. Die Spielbanken Bayern nennen es anders und meinen dasselbe: „Statt der Versicherung kann sich der Spieler bei eigenem Black Jack mit der Annonce »pay me out« für eine sofortige Gewinnauszahlung entscheiden. Der Einsatz wird dann im Verhältnis 1 : 1 ausbezahlt.“

3.2

Warum es dieselbe Wette ist. Nimm einen Blackjack und versichere ihn mit einem halben Einsatz. Hat der Dealer Blackjack, ist deine Hand ein Gleichstand, und die Versicherung bringt einen ganzen Einsatz: plus 1. Hat er keinen, bekommst du 1,5 für den Blackjack und verlierst 0,5 auf der Versicherung: wieder plus 1. In beiden Fällen genau ein Einsatz. Even Money ist nichts anderes als eine Versicherung, nur ohne den Umweg über die Versicherungslinie.

3.3

Was es kostet. Lehnst du ab, hat der Dealer bei 6 Decks in 95 von 309 Fällen Blackjack, und du bekommst deinen Einsatz zurück. In den anderen 214 Fällen bekommst du das Anderthalbfache. Im Schnitt sind das 1,039 Einsätze statt der sicheren 1,000. Pro 10 € Einsatz verzichtest du mit Even Money auf 39 Cent.

3.4

Das Urteil. Die Versicherung lohnt sich für dich praktisch nie, und Even Money auch nicht. Der sichere Gewinn fühlt sich gut an, gerade nach einem langen Abend. Du bezahlst dieses Gefühl aber jedes Mal, und auf die Dauer summiert es sich.

Regelfall Fall 36

Du hast Ass und Dame, der Dealer zeigt ein Ass, und du hast 20 € gesetzt. Der Croupier fragt: ‚Even Money?‘

Entscheidung

Ablehnen. Nimmst du an, bekommst du sicher 20 €. Lehnst du ab, bekommst du bei 6 Decks in 214 von 309 Fällen 30 € und in den übrigen 95 deinen Einsatz zurück, im Schnitt 20,78 €. Die 78 Cent Unterschied sind der Preis der Sicherheit. Anders liegt der Fall nur, wenn du Karten zählst und weißt, dass der Schuh reich an Zehnerkarten ist, dazu Regel 5.

Regel 4 · Gute Hände versichern und andere Irrtümer

4.1

„Eine 20 muss man versichern.“ Die Versicherung gewinnt oder verliert unabhängig von deiner Hand. Deine 20 ändert daran nichts, außer dass die Versicherung teurer wird (Regel 2.4). Ob du die Runde mit der 20 gewinnst, entscheidet sich danach, und das Ergebnis ist dasselbe, ob du versichert hast oder nicht.

4.2

„Mit einem Ass hat der Dealer fast immer Blackjack.“ Bei 6 Decks in 30,9 % der Runden. In knapp sieben von zehn Runden kommt keine Zehnerkarte. Unsere Berechnung für 6 Decks und Dealer steht auf 17 verteilt den Rest so: Der Dealer überkauft sich in 11,5 % der Runden, auf 17, 18, 19 und 20 landet er jeweils in rund 13 %, auf 21 ohne Blackjack in 5,4 %.

4.3

„Ein bisschen versichern ist ein Kompromiss.“ Wo du weniger als den halben Einsatz versichern darfst, wie in Wiesbaden und Bad Dürkheim, verlierst du weniger Geld, aber pro Euro genauso viel. Eine kleinere schlechte Wette bleibt eine schlechte Wette.

4.4

„Nach dem Verdoppeln brauche ich den Schutz erst recht.“ Die Spielbanken Bayern lassen die Versicherung auch dann zu: „Eine Versicherung ist auch nach Verdopplung oder Teilung möglich.“ Wer verdoppelt hat, muss dort die Versicherung ebenfalls verdoppeln, und bei geteilten Händen entscheidest du selbst, ob du eine oder beide versicherst. Die Merkur-Häuser in Niedersachsen erlauben es ebenfalls. Der Preis je versichertem Euro bleibt derselbe. Mehr Geld auf der Versicherung heißt nur mehr Geld auf einer Wette mit negativer Erwartung.

Regelfall Fall 37

Du hast König und Zehn, der Dealer zeigt ein Ass. Dein Nachbar rät: ‚Eine 20 musst du versichern, die ist zu gut zum Verlieren.‘

Entscheidung

Nicht versichern. Gerade mit zwei Zehnerkarten ist die Versicherung am teuersten: Unter den 309 Karten, die du nicht siehst, sind nur noch 94 zehnwertig, auf lange Sicht verlierst du 8,7 Cent je versichertem Euro. Die Versicherung gewinnt nur, wenn der Dealer Blackjack hat, und dann hätte dir die 20 ohnehin nichts genützt. Hat er keinen, spielt deine 20 ganz normal weiter, und die versicherten Euro sind weg.

Regel 5 · Wann ein Kartenzähler versichert

5.1

Die Schwelle in Karten. Bei 311 unbekannten Karten müssten mindestens 104 zehnwertig sein, damit die Versicherung mehr bringt, als sie kostet. Ein frischer Schuh hat 96. Positiv wird die Wette erst, wenn schon überdurchschnittlich viele andere Karten gespielt sind und die Zehnerkarten im Rest zusammenrücken. Genau das misst ein Kartenzähler.

5.2

Der Wert beim Hi-Lo. Das Hi-Lo-System, 1963 von Harvey Dubner vorgestellt, zählt kleine Karten plus und hohe minus. Teilt man die laufende Zahl durch die restlichen Decks, erhält man den True Count. Ab einem True Count von +3 nimmt ein Hi-Lo-Zähler die Versicherung. In Don Schlesingers „Illustrious 18“ aus seinem Buch „Blackjack Attack“, der Liste der wertvollsten Abweichungen von der Grundstrategie, steht die Versicherung auf Platz eins. Wie das Zählen funktioniert und wo seine Grenzen liegen, steht auf der Seite Karten zählen beim Blackjack.

5.3

Eine grobe Messung. Für die Versicherung zählt nur, ob eine Karte zehnwertig ist oder nicht. Das Hi-Lo misst das bloß ungefähr, denn es zählt Asse mit den Zehnerkarten zusammen und lässt 7, 8 und 9 ganz aus. Der Wert +3 ist deshalb eine Faustgrenze, keine exakte Schwelle, und markiert ungefähr den Punkt, an dem die Wette aus der Verlust- in die Gewinnzone wechselt.

5.4

Ohne Zählen. Wer nicht zählt, weiß nicht, ob der Schuh gerade reich an Zehnerkarten ist. Die Antwort auf „Insurance?“ ist dann immer dieselbe: nein.

5.5

Dieselbe Schwelle für Even Money. Weil Even Money rechnerisch eine Versicherung ist, gilt für sie dieselbe Grenze. Ein Zähler, der bei +3 versichert, nimmt bei +3 auch die sofortige 1-zu-1-Auszahlung für seinen Blackjack, in Bayern das „pay me out“.

Häufige Fragen

Was ist die Versicherung beim Blackjack?

Eine eigene Wette darauf, dass der Dealer Blackjack hat. Sie wird angeboten, wenn seine erste Karte ein Ass ist. Du setzt in den meisten Häusern genau die Hälfte deines Einsatzes, und bekommt der Dealer eine Zehnerkarte dazu, zahlt die Versicherung 2 zu 1. Sonst ist der Versicherungseinsatz verloren, und deine Hand wird ganz normal weitergespielt.

Wie viel zahlt die Versicherung beim Blackjack?

2 zu 1. Setzt du 5 € auf die Versicherung und der Dealer hat Blackjack, bekommst du 10 € Gewinn und die 5 € zurück. Mit einem halben Einsatz als Versicherung gleicht das genau den verlorenen Grundeinsatz aus. Hat der Dealer keinen Blackjack, sind die 5 € weg.

Lohnt sich die Versicherung beim Blackjack?

Für dich praktisch nie. Die Wette bräuchte mehr als ein Drittel Zehnerkarten unter den unbekannten Karten, bei 6 Decks sind es mit einem Ass beim Dealer aber nur 96 von 311. Auf lange Sicht verlierst du damit rund 7,4 Cent je Euro Versicherung, mit zwei Zehnerkarten in der eigenen Hand sogar 8,7 Cent.

Was bedeutet Even Money beim Blackjack?

Even Money heißt: Du hast Blackjack, der Dealer zeigt ein Ass, und du lässt dir deinen Einsatz sofort 1 zu 1 auszahlen, statt abzuwarten. Rechnerisch ist das genau dieselbe Wette wie eine Versicherung über den halben Einsatz. In Wiesbaden heißt das Angebot „Even Money“, in den bayerischen Spielbanken „pay me out“.

Soll ich bei eigenem Blackjack Even Money nehmen?

Nein, außer du zählst Karten und der Schuh ist reich an Zehnen. Lehnst du ab, bekommst du bei 6 Decks im Schnitt 1,039 Einsätze, nimmst du an, genau 1. Bei 20 € Einsatz verzichtest du mit Even Money durchschnittlich auf 78 Cent. Das sichere Gefühl kostet jedes Mal Geld.

Wie hoch darf die Versicherung sein?

In den meisten deutschen Regeltexten genau die Hälfte deines Einsatzes, so bei den Spielbanken Bayern, den Merkur-Häusern, in Bremen und bei CASINO SH. Wiesbaden und Bad Dürkheim erlauben „bis zur Hälfte“, dort darfst du auch weniger setzen. Einen höheren Betrag nennt keiner der Regeltexte.

Bieten deutsche Spielbanken die Versicherung an?

In 31 der 40 Häuser mit veröffentlichtem Regeltext steht sie ausdrücklich drin, immer mit 2 zu 1 und immer ausgelöst durch ein Ass als erste Karte des Dealers. Die übrigen 9 Texte erwähnen sie nicht. Das heißt nicht, dass es sie dort nicht gibt, nur dass der online lesbare Text nichts dazu sagt.

Wann lohnt sich die Versicherung für Kartenzähler?

Wenn mehr als ein Drittel der restlichen Karten zehnwertig ist. Mit dem Hi-Lo-System entspricht das einem True Count von +3 oder höher. In Don Schlesingers Liste der „Illustrious 18“, den wertvollsten Abweichungen von der Grundstrategie, steht die Versicherung auf Platz eins. Ohne Zählen erkennst du diesen Moment nicht.

Kann ich nach dem Verdoppeln noch versichern?

In einigen deutschen Häusern ja. Die Spielbanken Bayern schreiben: „Eine Versicherung ist auch nach Verdopplung oder Teilung möglich.“ Wer verdoppelt hat, muss dort auch die Versicherung verdoppeln. Die Merkur-Häuser in Niedersachsen erlauben es ebenfalls. Am Preis ändert das nichts, jeder versicherte Euro verliert im Schnitt gleich viel.

Wie oft hat der Dealer mit einem Ass als erster Karte Blackjack?

Bei 6 Decks in 30,9 % der Fälle, also in weniger als einer von drei Runden. Genau darin liegt das Problem der Versicherung: Sie zahlt 2 zu 1, bräuchte für einen fairen Preis aber eine Trefferquote von genau einem Drittel. Aus den fehlenden gut zwei Prozentpunkten werden 7,4 Cent Verlust je versichertem Euro.

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