Regel 1 · Europäisch oder amerikanisch: die verdeckte Karte
1.1Ohne verdeckte Karte. Beim europäischen Blackjack bekommt der Dealer beim Austeilen nur eine offene Karte. Seine weiteren Karten zieht er, nachdem sich alle Spieler erklärt haben. So spielen 36 der 40 deutschen Spielbanken, deren Regeln wir ausgewertet haben, bei einer weiteren ist der Text nicht eindeutig. Die Formulierung ist fast überall gleich, bei CASINO SH etwa: zuerst je eine Karte an die Boxen, zuletzt eine an die Bank, dann die zweite Karte an jede Box. In der englischen Fachliteratur heißt diese Spielweise „European no hole card“.
1.2Mit verdeckter Karte und Nachschauen. Beim amerikanischen Spiel bekommt der Dealer gleich zwei Karten, eine davon verdeckt. Zeigt die offene ein Ass oder eine Zehnerkarte, schaut er nach, ob er Blackjack hat, und beendet die Runde sofort, wenn ja. Wer verdoppeln oder teilen will, weiß also schon, dass der Dealer keinen Blackjack hält. In Deutschland beschreiben nur die Spielbanken Bad Homburg, Bad Neuenahr und Bad Dürkheim eine verdeckte zweite Karte. Ein Nachschauen erwähnt keine der drei.
1.3Was die verdeckte Karte wert ist. Ohne verdeckte Karte kann dich ein Dealer-Blackjack auch den verdoppelten und den geteilten Einsatz kosten. Ob das in deutschen Spielbanken so gehandhabt wird, steht bei keiner der 40 Spielbanken im Regeltext, es ist aber die übliche europäische Lesart. Unter dieser Annahme liegt der Hausvorteil bei 6 Decks, Dealer steht auf 17, Verdoppeln auf 9 bis 11 und Verdoppeln nach Split bei 0,61 %. Dieselbe Variante mit verdeckter Karte und Nachschauen kommt nach unserer Berechnung auf 0,50 %. Die 0,11 Punkte Unterschied entstehen in den Händen, in denen du gegen eine Zehn oder ein Ass verdoppelst oder teilst und dann dem Blackjack des Dealers mehr als einen Einsatz überlässt.
1.4Wo sich die Strategie ändert. Bei denselben Tischregeln unterscheiden sich die beiden Tabellen in genau vier Feldern. Ohne verdeckte Karte ziehst du mit 11 gegen eine Zehn, statt zu verdoppeln, du teilst 8-8 weder gegen eine Zehn noch gegen ein Ass, und du teilst zwei Asse nicht gegen ein Ass. Alle anderen Felder bleiben gleich. Die vollständige Tabelle für deine Tischregeln steht unter Blackjack Tabelle, das Spiel des Dealers im Einzelnen unter Dealer-Regeln.
1.5Amerikanisch heißt nicht automatisch teurer. Eine amerikanische Tischvariante mit 6 Decks, Dealer zieht auf weicher 17, Verdoppeln auf jede Hand, Verdoppeln nach Split, spätem Aufgeben und Nachschauen kommt nach unserer Berechnung auf 0,53 %. Das ist weniger als der deutsche Normalfall, weil freies Verdoppeln, Aufgeben und das Nachschauen zusammen mehr zurückgeben, als die weiche 17 kostet. Teuer wird es erst mit der Auszahlung. Zahlt ein Tisch für Blackjack 6 zu 5 statt 3 zu 2, steigt der Hausvorteil derselben Variante auf 1,89 %.
Regelfall Fall 53
Du hast 8-8, der Dealer zeigt eine Zehn. An einem amerikanischen Tisch würdest du teilen. Hier auch?
Entscheidung
An deinem Tisch nicht. Ohne verdeckte Karte verliert der geteilte Einsatz mit, wenn der Dealer Blackjack macht, und das kippt die Rechnung: Bei 6 Decks und Dealer steht auf 17 kostet Teilen auf lange Sicht rund 4,5 Cent je Euro mehr als Ziehen. Du ziehst eine Karte. Wo Aufgeben erlaubt ist, gibst du auf.