Regel 2 · Das Hi-Lo-System Schritt für Schritt
2.1Drei Werte. Das Hi-Lo-System ordnet jeder Karte einen von drei Werten zu. Die Tabelle oben erklärt die Auswahl, Hi-Lo vereinfacht sie aber: Die stärksten Helfer, 2 bis 6, zählen +1, Zehnerkarten und Asse −1, der Rest 0. Dabei hilft dir das Fehlen einer 7 fast so viel wie das einer 2, und das Fehlen einer 9 schadet dir leicht. Beide zählen trotzdem 0, damit die Rechnung im Kopf einfach bleibt.
Die Werte im Hi-Lo-System | 2, 3, 4, 5, 6 | +1 |
| 7, 8, 9 | 0 |
| 10, Bube, Dame, König, Ass | −1 |
2.2Ausgeglichen. Ein volles Deck ergibt zusammen genau 0, denn es hat 20 Karten mit +1 und 20 mit −1. Nach dem Mischen startest du deshalb immer bei null.
2.3Der Running Count. Du addierst den Wert jeder Karte, die du siehst: deine, die der anderen Spieler und die des Dealers. Kommen nacheinander 6, König, 2, 9, 4, Ass, 5, 3, 10 und 7, ergibt das +1, −1, +1, 0, +1, −1, +1, +1, −1 und 0, der laufende Zählstand steht bei +2. Paare aus +1 und −1 heben sich auf, du kannst sie also gleich zusammen abhaken.
2.4Der True Count. Ein Zählstand von +6 bedeutet am Anfang eines 6-Deck-Schuhs wenig und kurz vor dem Mischen viel. Deshalb teilst du den Running Count durch die Zahl der Decks, die noch nicht gespielt sind. Ein Rechenbeispiel: Etwa zwei Decks liegen schon in der Ablage, im Schuh stecken also noch rund vier. Der Running Count steht bei +10, der True Count ist +10 geteilt durch 4, also +2,5. Stünde derselbe Running Count erst bei zwei verbleibenden Decks, wäre der True Count +5. Die verbleibenden Decks schätzt du am Stapel in der Ablage, auf ein halbes Deck genau reicht.
2.5Was ein Punkt wert ist. Für den deutschen Normalfall haben wir den Hausvorteil mit vier verbliebenen Decks durchgerechnet, jeweils mit der besten Spielweise für genau diese Restkarten. Ist der Rest ausgeglichen, liegt er bei 0,56 %. Stecken fünf kleine Karten weniger und fünf hohe mehr darin als im Schnitt, also bei True Count +2,5, liegt er bei −0,63 %, und du bist im Vorteil. Bei True Count +5 sind es −1,76 %, bei −2,5 dagegen +1,76 % zugunsten des Hauses. Grob verschiebt jeder Punkt True Count den Vorteil um einen halben Prozentpunkt.
2.6Woher Hi-Lo kommt. Harvey Dubner stellte das System im November 1963 auf der Fall Joint Computer Conference in Las Vegas vor, in einer Diskussionsrunde, die Thorp leitete. Thorp nahm eine High-Low-Zählung, die Julian Braun ausgearbeitet hatte, 1966 in die überarbeitete Auflage von „Beat the Dealer“ auf. Stanford Wong, ein Pseudonym von John Ferguson, veröffentlichte 1975 „Professional Blackjack“ mit vollständigen Hi-Lo-Tabellen. Nach ihm heißt bis heute das Vorgehen, einem Tisch nur zuzuschauen und erst bei hohem Zählstand einzusteigen: „Wonging“.