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Papercut-Illustration: drei Kartenstapel mit Assen, daneben je drei Papierstreifen als Strichliste und ein leerer Ablageschlitten

Karten zählen beim Blackjack: Hi-Lo erklärt und ob es legal ist

Im Schuh sind schon zwei Decks gespielt, und bisher kamen auffällig viele kleine Karten. Genau davon lebt Karten zählen beim Blackjack: Wer mitrechnet, weiß ungefähr, ob der Rest des Schuhs dir oder dem Haus hilft. Hier steht, wie das Hi-Lo-System funktioniert, was ein hoher Zählstand wirklich bringt, warum es in deutschen Spielbanken schwer ist und ob Karten zählen legal ist.

Stand:

Regel 1 · Die Idee hinter dem Karten zählen

1.1

Der Schuh hat ein Gedächtnis. Beim Roulette beginnt jede Drehung von vorn. Beim Blackjack ist jede gespielte Karte bis zum nächsten Mischen aus dem Spiel, und damit ändert sich, was noch kommen kann. Fehlen schon viele kleine Karten, stecken im Rest mehr Zehnerkarten und Asse, und das hilft dir. Karten zählen beim Blackjack heißt nichts anderes, als diese Verschiebung mitzuverfolgen.

1.2

Welche Karte wem hilft. Unsere Berechnung zeigt es am einzelnen Deck. Wir haben jeweils eine Karte herausgenommen und den Hausvorteil mit der dann besten Spielweise neu berechnet, nach deutschen Regeln: Dealer steht auf 17, Verdoppeln auf 9 bis 11, ohne verdeckte Dealerkarte. Mit allen 52 Karten liegt der Hausvorteil so bei 0,11 %.

So ändert sich der Hausvorteil, wenn eine Karte fehlt
Fehlende KarteÄnderung in Prozentpunkten
2−0,35
3−0,40
4−0,49
5−0,63
6−0,43
7−0,25
8±0,00
9+0,15
10, Bube, Dame, König+0,42
Ass+0,58

Ein Deck, Strategie jeweils neu berechnet. Minus heißt: Ohne diese Karte ist der Rest besser für dich.

1.3

Warum das so ist. Zehnerkarten und Asse bringen dir Blackjacks, die 3 zu 2 zahlen, während ein Blackjack des Dealers dich nur 1 zu 1 kostet. Sie machen deine Verdopplungen stärker, und sie lassen den Dealer, der bis 16 ziehen muss, öfter über 21 gehen. Kleine Karten retten dagegen genau die Dealerhände, mit denen er noch ziehen muss. Am stärksten wirkt die 5: Fehlt eine einzige, liegt der Hausvorteil im einzelnen Deck bei −0,52 %, der Vorteil liegt dann also bei dir.

1.4

Thorp hat es zuerst gezeigt. Edward O. Thorp bewies 1961 in einem Fachaufsatz, „A Favorable Strategy for Twenty-One“, dass sich Blackjack mit diesem Wissen schlagen lässt, und machte es 1962 mit seinem Buch „Beat the Dealer“ bekannt. Seine ersten Systeme verfolgten jeweils nur eine Kartengruppe, erst die Fünfen, dann die Zehnerkarten. Praktischer wurde es erst mit Zählungen, die alle Karten auf wenige einfache Werte bringen.

Regel 2 · Das Hi-Lo-System Schritt für Schritt

2.1

Drei Werte. Das Hi-Lo-System ordnet jeder Karte einen von drei Werten zu. Die Tabelle oben erklärt die Auswahl, Hi-Lo vereinfacht sie aber: Die stärksten Helfer, 2 bis 6, zählen +1, Zehnerkarten und Asse −1, der Rest 0. Dabei hilft dir das Fehlen einer 7 fast so viel wie das einer 2, und das Fehlen einer 9 schadet dir leicht. Beide zählen trotzdem 0, damit die Rechnung im Kopf einfach bleibt.

Die Werte im Hi-Lo-System
2, 3, 4, 5, 6+1
7, 8, 90
10, Bube, Dame, König, Ass−1
2.2

Ausgeglichen. Ein volles Deck ergibt zusammen genau 0, denn es hat 20 Karten mit +1 und 20 mit −1. Nach dem Mischen startest du deshalb immer bei null.

2.3

Der Running Count. Du addierst den Wert jeder Karte, die du siehst: deine, die der anderen Spieler und die des Dealers. Kommen nacheinander 6, König, 2, 9, 4, Ass, 5, 3, 10 und 7, ergibt das +1, −1, +1, 0, +1, −1, +1, +1, −1 und 0, der laufende Zählstand steht bei +2. Paare aus +1 und −1 heben sich auf, du kannst sie also gleich zusammen abhaken.

2.4

Der True Count. Ein Zählstand von +6 bedeutet am Anfang eines 6-Deck-Schuhs wenig und kurz vor dem Mischen viel. Deshalb teilst du den Running Count durch die Zahl der Decks, die noch nicht gespielt sind. Ein Rechenbeispiel: Etwa zwei Decks liegen schon in der Ablage, im Schuh stecken also noch rund vier. Der Running Count steht bei +10, der True Count ist +10 geteilt durch 4, also +2,5. Stünde derselbe Running Count erst bei zwei verbleibenden Decks, wäre der True Count +5. Die verbleibenden Decks schätzt du am Stapel in der Ablage, auf ein halbes Deck genau reicht.

2.5

Was ein Punkt wert ist. Für den deutschen Normalfall haben wir den Hausvorteil mit vier verbliebenen Decks durchgerechnet, jeweils mit der besten Spielweise für genau diese Restkarten. Ist der Rest ausgeglichen, liegt er bei 0,56 %. Stecken fünf kleine Karten weniger und fünf hohe mehr darin als im Schnitt, also bei True Count +2,5, liegt er bei −0,63 %, und du bist im Vorteil. Bei True Count +5 sind es −1,76 %, bei −2,5 dagegen +1,76 % zugunsten des Hauses. Grob verschiebt jeder Punkt True Count den Vorteil um einen halben Prozentpunkt.

2.6

Woher Hi-Lo kommt. Harvey Dubner stellte das System im November 1963 auf der Fall Joint Computer Conference in Las Vegas vor, in einer Diskussionsrunde, die Thorp leitete. Thorp nahm eine High-Low-Zählung, die Julian Braun ausgearbeitet hatte, 1966 in die überarbeitete Auflage von „Beat the Dealer“ auf. Stanford Wong, ein Pseudonym von John Ferguson, veröffentlichte 1975 „Professional Blackjack“ mit vollständigen Hi-Lo-Tabellen. Nach ihm heißt bis heute das Vorgehen, einem Tisch nur zuzuschauen und erst bei hohem Zählstand einzusteigen: „Wonging“.

Regel 3 · Was ein hoher Zählstand bringt

3.1

Mehr setzen, wenn der Rest gut ist. Der größte Hebel ist der Einsatz: klein bei neutralem oder negativem True Count, größer, wenn er deutlich positiv ist. Das Verhältnis von kleinstem zu größtem Einsatz heißt Spread. An einem Tisch mit 5 € Minimum und 1.000 € Maximum wäre rechnerisch viel Platz, doch wer seinen Einsatz sprunghaft verändert, fällt am Tisch sofort auf. Ohne Spread bleibt vom Zählen nur, was die geänderten Züge bringen, denn dann riskierst du in guten und schlechten Momenten gleich viel.

3.2

Einige Züge ändern sich. Bei hohem Zählstand werden Stehen, Verdoppeln und die Versicherung attraktiver, bei niedrigem das Ziehen. Don Schlesinger hat in seinem Buch „Blackjack Attack“ die 18 wertvollsten Abweichungen für Hi-Lo zusammengestellt, bekannt als „Illustrious 18“. Die ersten drei der Liste: Versicherung ab True Count +3, mit 16 gegen eine 10 stehen ab True Count 0, mit 15 gegen eine 10 stehen ab +4. Die Werte stammen aus der amerikanischen Literatur. Für Tische ohne verdeckte Dealerkarte haben wir sie nicht nachgerechnet; einzelne Schwellen können sich dort verschieben.

3.3

Die Versicherung als Rechenbeispiel. Bei einer Auszahlung von 2 zu 1 rechnet sich die Versicherung erst, wenn im Rest mehr als ein Drittel Zehnerkarten liegt. Ein voller Schuh mit 6 Decks bietet nach einem offenen Ass nur 96 Zehnerkarten auf 311 Karten, das sind 30,9 %, und im Schnitt kostet dich die Wette dann 7,4 % dessen, was du auf sie setzt. Steigt der Zählstand, steigt der Anteil der Zehnerkarten im Rest, und irgendwann kippt die Rechnung. In Schlesingers Liste, die nach Wert sortiert ist, steht die Versicherung ganz oben.

Regelfall Fall 43

Der Running Count steht bei +12, im Schuh sind noch etwa drei Decks. Der Dealer zeigt ein Ass und bietet die Versicherung an. Nimmst du sie?

Entscheidung

Wenn du nach Hi-Lo spielst, ja. Der True Count ist +12 geteilt durch 3, also +4, und liegt damit über der Schwelle von +3 aus Schlesingers Liste. Bei diesem Zählstand stecken im Rest im Schnitt so viele Zehnerkarten, dass die Wette auf den Dealer-Blackjack mehr einbringt, als sie kostet. Ohne Zählen nimmst du die Versicherung nie.

Regel 4 · Warum Karten zählen in der Praxis so schwer ist

4.1

Mischmaschinen. Mehrere deutsche Spielbanken nennen in ihren Regeln eine Mischmaschine. Bei der Spielbank Hamburg steht links vom Dealer „der Shuffler, aus dem die Spielkarten gezogen werden“. In Wiesbaden werden die Karten nach dem ersten Mischen „in einen Shuffler (Mischmaschine) gefüllt“. Merkur Niedersachsen zieht die Karten „aus einer Mischmaschine oder aus einem Kartenschlitten“, und bei den Spielbanken Bayern entfällt das Abtrennen mit der Schneidekarte, wenn eine Kartenmischmaschine im Einsatz ist. Ob die Maschinen nach jeder Runde neu mischen oder ein ganzes Paket vorbereiten, steht in keinem dieser Texte.

4.2

Dauermischer machen Zählen wertlos. Wandern die gespielten Karten nach jeder Runde zurück in die Maschine, ist der Schuh vor jeder Runde fast voll, und der Zählstand fällt praktisch auf null zurück. Genau davon geht auch unsere Berechnung des Hausvorteils aus. Die Brandenburgischen Spielbanken schreiben auf ihrer Website, der Einsatz von Mischmaschinen mache das Kartenzählen „gänzlich sinnlos“.

4.3

Die Schneidekarte begrenzt, wie tief du kommst. Wird aus dem Schlitten gespielt, trennt der Dealer bei den Spielbanken Bayern mit einer neutralen Karte einen Teil des Pakets ab; sobald sie erscheint, wird die laufende Runde beendet und neu gemischt. Die Brandenburgischen Spielbanken beschreiben, dass die Schneidekarte ins letzte Viertel bis Drittel des Stapels geschoben wird. Gespielt werden also nur zwei Drittel bis drei Viertel des Schuhs. Große True Counts entstehen aber vor allem spät, wenn nur noch wenige Decks übrig sind, weil derselbe Running Count dann durch eine kleinere Zahl geteilt wird.

4.4

Kopf, Tempo, Nerven. Am vollen Tisch läuft der Zählstand mit jeder Karte jedes Spielers mit, dazu die Umrechnung in den True Count, der richtige Zug und die passende Einsatzhöhe, und das im Tempo des Dealers, ohne dass man dir die Konzentration ansieht. Dazu kommen die Schwankungen. Selbst mit einem kleinen Vorteil kannst du über lange Strecken verlieren, weil ein halber Prozentpunkt neben dem Zufall eines einzelnen Abends kaum ins Gewicht fällt. Wer diesen Aufwand nicht treiben will, spielt die Grundstrategie und hat damit das meiste, was sich ohne Zählen herausholen lässt.

Regelfall Fall 44

Der Dealer legt die gespielten Karten nach jeder Runde zurück in die Maschine. Dein Zählstand war am Ende der Runde +6. Was ist er in der nächsten Runde wert?

Entscheidung

Praktisch nichts. Die Karten, die du gezählt hast, sind wieder im Spiel, und die nächste Runde kommt aus einem fast vollständigen Schuh. Du beginnst in jeder Runde wieder bei ungefähr null. An so einem Tisch spielst du einfach die Grundstrategie aus der Tabelle.

Häufige Fragen zum Karten zählen

Ist Karten zählen beim Blackjack legal?

Nach allem, was wir prüfen konnten, ja, solange du nur im Kopf zählst. Die Glücksspiel-Paragrafen des Strafgesetzbuchs betreffen Glücksspiel ohne behördliche Erlaubnis, nicht die Spielweise an einem erlaubten Tisch. Eine Spielbank darf dich aber nach ihrem Hausrecht vom Tisch bitten oder dir Hausverbot erteilen, ohne Gründe zu nennen.

Kann man beim Karten zählen Hausverbot bekommen?

Ja. Die Spielordnungen der Länder behalten den Spielbanken ausdrücklich vor, Gästen den Zutritt ohne Angabe von Gründen zu verweigern oder sie zum Gehen aufzufordern, etwa in Bayern, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Strafbar wird es erst, wenn du nach so einer Aufforderung bleibst: Das kann Hausfriedensbruch nach § 123 StGB sein.

Darf ich beim Karten zählen eine App oder ein Gerät benutzen?

Nein. In mehreren Ländern sind technische Hilfsmittel verboten oder können untersagt werden, etwa solche, mit denen sich das Spiel beeinflussen oder Spielergebnisse erfassen lassen. Die Spielordnung NRW nennt als Beispiele Taschenrechner, Computer und Mobiltelefone, wenn sie der Einflussnahme auf den Spielablauf dienen, die Berliner Spielordnung Taschenrechner und Computer. Wer so etwas benutzt, verstößt gegen die Spielordnung und kann vom Spiel ausgeschlossen werden.

Wie funktioniert das Hi-Lo-System?

Jede Karte bekommt einen Wert: 2 bis 6 zählen +1, 7 bis 9 zählen 0, Zehnerkarten und Asse zählen −1. Du addierst alle Karten, die du siehst, zum Running Count und teilst ihn durch die Zahl der noch nicht gespielten Decks. Das Ergebnis, der True Count, sagt dir, wie günstig der Rest des Schuhs ist.

Was ist der Unterschied zwischen Running Count und True Count?

Der Running Count ist die laufende Summe der Hi-Lo-Werte seit dem letzten Mischen. Der True Count ist dieser Wert geteilt durch die Zahl der Decks, die noch im Schuh sind. Ein Running Count von +8 ist bei vier verbleibenden Decks ein True Count von +2, bei zwei Decks schon +4.

Wie viel Vorteil bringt Karten zählen?

Grob einen halben Prozentpunkt je Punkt True Count. Nach unserer Berechnung für vier verbleibende Decks im deutschen Normalfall liegt der Hausvorteil bei ausgeglichenem Rest bei 0,56 %, bei True Count +2,5 bei −0,63 % und bei +5 bei −1,76 %. Den größten Nutzen hast du davon erst, wenn du in diesen Momenten deutlich mehr setzt.

Lohnt sich Karten zählen in deutschen Spielbanken?

Selten. Mehrere Häuser nennen in ihren Regeln Mischmaschinen, und wo aus dem Schlitten gespielt wird, liegt die Schneidekarte laut den Brandenburgischen Spielbanken im letzten Viertel bis Drittel des Stapels. Dazu kommen Tischlimits, das Hausrecht und lange Durststrecken, die auch ein korrekt zählender Spieler durchstehen muss.

Funktioniert Karten zählen gegen eine Mischmaschine?

Gegen eine Maschine, die nach jeder Runde neu mischt, nicht. Dann ist der Schuh vor jeder Runde fast vollständig und der Zählstand fällt praktisch auf null zurück. Ob ein deutsches Haus so eine Maschine oder eine einsetzt, die ein ganzes Paket vorbereitet, steht in den veröffentlichten Regeln nicht.

Muss ich mir beim Karten zählen jede Karte merken?

Nein. Beim Hi-Lo-System merkst du dir eine einzige Zahl, den Running Count, und veränderst ihn mit jeder Karte um +1, 0 oder −1. Schwer ist nicht das Gedächtnis, sondern das Tempo: Am vollen Tisch musst du jede Karte aller Spieler mitnehmen und nebenbei richtig spielen.

Wer hat das Karten zählen erfunden?

Edward O. Thorp zeigte 1961 in einem Fachaufsatz und 1962 in seinem Buch „Beat the Dealer“ als Erster öffentlich, dass sich Blackjack mit Zählen schlagen lässt, zuerst mit einer Zählung der Fünfen, dann der Zehnerkarten. Das Hi-Lo-System stellte Harvey Dubner 1963 vor. Stanford Wong lieferte 1975 in „Professional Blackjack“ die vollständigen Hi-Lo-Tabellen.

Mache ich mich beim Karten zählen strafbar?

Durch das Zählen im Kopf nicht, soweit wir es prüfen konnten: Eine Strafvorschrift dafür gibt es im Strafgesetzbuch nicht, und die Brandenburgischen Spielbanken schreiben selbst, das Zählen sei „kein Straftatbestand“. Heikel wird es bei Geräten, die die Spielordnungen verbieten, und wenn du trotz Hausverbot bleibst.

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